Festival 2015

Guten Tag. Haben Sie schon mal ein Filmfestival organisiert? Wäre das nicht eine hübsche Nebenbeschäftigung? Äh, Sie bezweifeln das? Sie befürchten haufenweise Arbeit, Organisationsprobleme, Planungsstress, sehr viel geopferte Zeit und Mühe? Recht haben Sie. Genau so ging es dem Zebra-Kino, als das bisherige langjährige Organisationsteam der kurz.film.spiele im Frühjahr überraschend und komplett aufhörte. Einige erfahrene Vereinsmitglieder wollten dieses Event unbedingt weiter führen und übernahmen den Job. Wichtiger jedoch: einige junge Menschen sprangen mit ins Boot, teils als Praktikum, andere einfach so, aus Hilfsbereitschaft und Interesse. Sagen wir es deutlich: mit ihrem Mut, ihrem Einsatz, ihrer Ausdauer gebührt ihnen der Verdienst, das Festival ermöglicht zu haben.

Unsere spannendste Aufgabe war die Arbeit mit der eigentlichen Hauptsache dieses Ereignisses: die Filme und ihre Schöpfer. Wir haben uns (mindestens zu dritt) jeden der 500 eingereichten Streifen im Kino angeschaut, über jeden diskutiert und ihn eingeordnet. Es ist unglaublich faszinierend, so viel Kreativität, Talent, gelegentlich Geniestreiche zu erleben. Selbst wenn etwa handwerkliche Mängel ein besseres Votum verhinderten sahen wir doch immense Begabungen. Die üble Pflicht war, aus 500 Filmen die 44 für das Festival auszuwählen. Jeder vom Team musste sich von einigen seiner persönlichen Lieblinge trennen. Einige Male fragten wir uns, ob das Material nicht auch für drei Festivaltage taugt. Jetzt noch Zukunftsmusik, aber warten wir es nur ab.

Einige Dinge fielen uns heuer auf:

  • Die sehr vielen internationalen Einsendungen. Wir erhielten – das ist unglaublich – Filme aus 41 Ländern! Ein eigenes internationales Festival wäre damit locker zu bestücken. Tatsächlich haben es Filme aus 13 Ländern ins Festival geschafft. Einige Nationen erwiesen sich als filmisch besonders reich: Spanien, Frankreich, sowie, schau schau, Österreich. Die Qualitätsbomben kamen jedoch aus Polen! Völlig zu Recht sind 6 Filme von dort im Konstanzer Wettbewerb. Wir dürfen uns freuen auf herausragenden Erfindungsreichtum, Sensibilität, hohe Schauspielkunst und -Führung, gepaart mit stupender handwerklicher Sorgfalt, auch bei kleinsten Details.
  • Genregrenzen beginnen zu zerfließen. Medienfachleute wissen, dass Dokumentarfilme keine Wirklichkeit dokumentieren, sondern sie (ungewollt) gestalten. Mehr und mehr Filmemacher nutzen jetzt diesen scheinbaren Makel, um innovative Arbeiten von inszenierter Realität, realer Inszenierung vorzulegen, die herkömmliches Schubladendenken alt aussehen lassen. Sechs dieser „Dokumentationen“ sind im Festival, alles andere als trocken.
  • Einige auffallende gut besetzte Sujets sind Filme bei denen Frauen im Fokus stehen, wie auch im Bereich Soziales/Politik, darunter zwei hervorragende Beiträge zu Flüchtlings-Themen, sowie 9 Werke, die Kindheit und Jugend behandeln.

Die insgesamt 44 Filme des Festival-Wettbewerbs wurden so auf die sieben Programmblöcke verteilt, dass möglichst jeder Block einen Eindruck von der breiten Stil- und Genrevielfalt bietet. Wir zeigen 10 Animationsfilme, 6 Komödien/Satiren, 2 Thriller. Achtung: wir haben auch härtere Kost in kleinen Dosen beigemischt. Da sind insgesamt 5 sogenannte Experimentalfilme, die naturgemäß nicht durchweg hochgeistig, aber doch recht sperrig daherkommen. Gerade richtig für unser Festivalpublikum. Viel Spaß!

Ulrich von Varnbüler