DIE TINTE TROCKNET NICHT

Experimentalfilm | DEU 2019 | 15 Min.
Deutsch
Dir: Felix Herrmann

17.10.2020 | 19:00 Uhr
Kurz.Film.Tour

Zwei Freundinnen, junge deutsche Muslima, leben in einer WG zusammen. Sie beobachten die Kultur, die Kirche, Dating-Websites, Beziehungen und sich gegenseitig. Die eine lernt jemanden kennen, die andere sich selbst. Die eine denkt pragmatisch, die andere romantisch.

Jurybegründung:
Felix Herrmanns Film ist das Porträt zweier Freundinnen, zwei junge deutsche Muslima, die ihren Weg im Leben suchen, gemeinsam und doch auf ganz unterschiedliche Weise. Der in bestechenden Schwarzweißbildern gehaltene Film wirft einzelne Schlaglichter auf beide Frauen, und ihm gelingt dabei Unglaubliches: Er entzieht sich gängigen Mustern auf allen Ebenen. Als formaler Grenzgänger experimentiert er mit Elementen von Poetry Slam sowie fiktiver und dokumentarischer Narration. Er verweigert sich inhaltlich konsequent dem gängigen Framing junger muslimischer Frauen in Deutschland, in dem er sie komplett aus dem Kontext ihrer üblichen Bild- und Erzählmuster hebt. Und nicht nur das: Selbst das Bildformat ändert sich inmitten der Erzählung, rückt den Fokus ganz auf die beiden Protagonistinnen und zwingt uns so, auch unseren eigenen Blickwinkel auf sie zu verändern. Trotz der nur wenigen Szenen kommen wir den Protagonistinnen dabei so nahe, wie es in manchem Langfilm nicht gelingt.

Two friends, young German Muslims, live together in a shared flat. They observe the culture, the church, dating sites, relationships and each other. One gets to know someone, the other gets to know herself. One thinks pragmatically, the other romantically.

Jury statement:
Felix Herrmann’s film is a portrait of two friends, two young German Muslim women who are looking for their way in life, together and yet in very different ways. The film, presented in captivating black-and-white images, casts individual highlights on both women, and it achieves something incredible: it defies common patterns on all levels. As a formal border crosser, he experiments with elements of poetry slam as well as fictional and documentary narration. In terms of content, he consistently refuses the common framing of young Muslim women in Germany by completely lifting them out of the context of their usual image and narrative patterns. And not only that: Even the picture format changes in the middle of the narrative, shifting the focus entirely to the two protagonists and thus forcing us to change our own view of them. In spite of the few scenes, we get as close to the protagonists as in many a feature-length film.

Felix Herrmann

Felix Herrmann

Felix Herrmann hat in Berlin Geschichte, Theologie und Iranistik studiert. Seit 2013 studiert er an der HFF München Dokumentarfilmregie. 2017/18 folgte ein Aufenthalt an der ENS Louis-Lumière in Paris. Er arbeitet oft in Kollaborationen mit anderen Filmemachern in Deutschland und Frankreich.
 
 
Felix Herrmann studied history, theology and Iranian studies in Berlin. Since 2013 he has been studying documentary film directing at the HFF Munich. In 2017/18 followed a stay at the ENS Louis-Lumière in Paris. He often works in collaborations with other filmmakers in Germany and France.